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Kuppelradsatz der Baureihe 03 im Heidekrautbahnmuseum
Ein wenig macht sich in den Werkstatt-Reporten schon das Sommerloch bemerkbar. Untätig waren wir in den letzen Wochen absolut nicht, standen doch einige Sonderfahrten auf dem Programm, welche einen größeren administrativen Aufwand erforderten. So waren wir nicht nur am 16. Mai nach Waren an der Müritz unterwegs, sondern beteilgten uns auch an den Jubiläumsfeierlichkeiten anläßlich "125 Jahre Niederbarnimer Eisenbahn". Im Vorgriff zu der Veranstaltung der NEB in Basdorf wurde der Kuppelradsatz einer Dampflok der Baureihe 03 einer farblichen Auffrischung unterzogen.
Seit Jahren steht auf dem BEF-Betriebsgelände ein Radsatz einer Schnellzug-Dampflok der Baureihe 03. Treib- und Kuppelradsätze dieser Lok-Baureihe haben einen Laufkreis-Durchmesser von 2.000 mm. Der Radsatz gelange in den 1990er Jahren als Leihgabe des damaligen Museums für Verkehr und Technik (MVT), dem heutigen Deutschen Technikmuseums Berlin (DTMB), zu uns und war zunächst am Lokschuppen des alten Betriebsstandortes in Berlin-Reinickendorf aufgestellt. Nach dem Umzug nach Basdorf erhielt der Radsatz letztmalig in den 1990er Jahren einen neuen Anstrich. Nach längerer Standzeit musste der Radsatz mal wieder farblich aufgearbeitet werden. Dabei wurden auch die Stempelungen an den Wellenstümpfen freigelegt. Diese geben ein wenig Auskunft über die Geschichte des Radsatzes:
Die ergänzende Ziffer 1 neben der Baureihen-Bezeichnung 03 deutet auf den 1. Kuppelradsatz hin. Der Radsatz wurde 1950 von der Firma "Bochumer Verein für Gußstahlfabrikation" (BVG) hergestellt, die zu diesem Zeitpunkt nur schlicht "Bochumer Verein" genannt wurde. Die Lokomotiven der Baureihe 03 waren berüchtigt für ihre starken Zuck-Schwingungen, die von schlechtem Massenausgleich des Zweizylinder-Triebwerkes her stammen.
Als nach dem 2. Weltkrieg die Geschwindigkeiten der Züge wieder anstiegen, häuften sich Radsatz-Nabenbrüche bei den inzwischen mehr als 12 Jahre alten Radsätzen. Weitere Untersuchungen mit Ultraschall ergaben viele Verdachtsfälle und damit einen seriellen Bedarf an Erneuerung vor allem der Kuppelradsätze. In diese Zeit fällt die Herstellung dieses Radsatzes.
Die Radsatzwelle wurde aus der Schmelze Nr. 144593 gefertigt. Die Fügung, also das hydraulische Aufdrücken des Radsterns auf die Radsatz-Welle, geschah am 20.09.1950. Dazu gehörte dann auch die erstmalige Bereifung.
Die Radsatz-Nummer lautet 322.
Untersuchungsstempel des Ausbesserungswerkes Braunschweig sind zu erkennen von 2.54, 4.55, 7.56, 10.57 und 9.59.
Ein größerer Stempel des AW Braunschweig (A.W. BWG) von 12.57 deutet auf eine umfangreichere Instandsetzung hin: An den Radsternen sind im Felgenbereich erhabene Gussmarken mit dem Datum 5.57 zu erkennen, was auch wieder eine Neubereifung nach sich gezogen haben muss.
Seit Mai 2026 erstrahlt der Radsatz wieder in neuem Glanz.




